Trachycarpus fortunei 'Bulgaria' – die härteste Selektion der Gattung

Vier Palmen in der bulgarischen Stadt Plovdiv, seit 1973 ungepflegt im Freiland, haben Winter bis −20 °C überlebt. Diese Pflanzen sind heute die härteste bekannte Selektion der gesamten Hanfpalmen-Gruppe.

bis −20 °C dokumentiert Härteste Fortunei-Selektion Seit 1973 im Freiland
Frosthärte max.
bis −20 °C
Dauerfrost
ab −12 °C kritisch
Schwierigkeit
Einfach
Herkunft
Plovdiv, Bulgarien (Selektion aus chinesischem Ausgangsmaterial)
Verfügbarkeit
Selten

Die Geschichte der Plovdiv-Palmen

Die Geschichte beginnt in den frühen 1970er Jahren in Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens. Im dortigen botanischen Garten wurden mehrere Trachycarpus fortunei-Pflanzen ausgepflanzt. Was dann folgte war kein botanisches Experiment sondern schlicht Vergessen: die Pflanzen wurden nicht gepflegt, nicht gewintert, nicht geschützt. Sie standen einfach da.

Plovdiv liegt in einer kontinentalen Klimazone. Winter mit Temperaturen unter −15 °C sind keine Seltenheit. Der Rekordwinter 1984/85 brachte Temperaturen bis −20 °C. Die vier Fortunei-Palmen überlebten. Ungeschützt, ohne Vlies, ohne Mulch. Einfach so.

Als europäische Palmensammler von diesen Pflanzen erfuhren war das Interesse sofort riesig. Samen von diesen Pflanzen wurden gesammelt und kultiviert und über mehrere Generationen weiter selektiert. Die Nachkommen dieser Plovdiv-Pflanzen sind heute als "Bulgaria"-Selektion bekannt und gelten als die frosthärteste verfügbare Fortunei-Linie.

Was macht die Bulgaria so besonders?

Die Bulgaria-Selektion unterscheidet sich von normaler T. fortunei morphologisch in einigen Punkten. Die Stämme sind dicker, die Fasern dichter, die Blätter etwas kleiner und fester. Diese Eigenschaften deuten darauf hin dass über Jahrzehnte eine natürliche Selektion auf Kältetoleranz stattgefunden hat: nur die robustesten Individuen haben überlebt und Samen produziert.

Wichtig zu wissen: die Bulgaria ist keine separate Art sondern eine Kultivarselektion innerhalb von T. fortunei. Botanisch gehört sie zu derselben Art wie die Standard-Fortunei. Aber so wie eine bestimmte Hunderasse dieselbe Art wie alle anderen Hunde ist aber trotzdem klar unterscheidbare Eigenschaften hat ist die Bulgaria eine klar definierte Linie mit dokumentiert höherer Frosthärte.

Ob jede als "Bulgaria" verkaufte Pflanze tatsächlich von den Plovdiv-Originalen abstammt ist allerdings schwer zu überprüfen. Wer echte Bulgaria kaufen möchte sollte auf gut dokumentierte Herkünfte achten und auf renommierte Anbieter setzen. Im Zweifelsfall ist eine normale T. fortunei von einem kalten Naturstandort in Hochlagen China genauso gut oder besser als eine unbekannte "Bulgaria" Marketingpflanze.

Frosthärte und Vergleich

Dokumentierte Temperaturen von −20 °C in Plovdiv sind die Referenz für die Bulgaria-Selektion. Allerdings muss man die Bedingungen einordnen: in Plovdiv herrschte bei diesen Temperaturen meist trockene Kälte ohne anhaltende Nässe. Die Kombination aus extremem Frost und Nässe die in Westeuropa häufiger ist wurde nicht getestet.

Im Vergleich zur Standard-Fortunei ist die Bulgaria damit etwa 2 bis 3 °C frosthärter was in der Praxis den Unterschied zwischen einer überlebenden und einer erfrorenen Pflanze in einem Extremwinter ausmachen kann. Für Zone 6 und kältere Regionen Deutschlands ist die Bulgaria die interessantere Wahl.

Mehr zur Standard-Hanfpalme findest du auf der Fortunei-Seite. Wer noch härter kultivieren möchte kann einen Blick auf Sabal minor oder Rhapidophyllum hystrix werfen.

Kultivierung

Die Kultivierungshinweise für die Bulgaria entsprechen denen für T. fortunei. Gute Drainage, sonniger bis halbschattiger Standort, kein Staunässe, Düngen von März bis August. Die Bulgaria ist in der Kultivierung nicht anspruchsvoller als die Fortunei – das macht sie so interessant. Maximale Frosthärte ohne zusätzliche Pflegekomplikationen.

Jungpflanzen der Bulgaria sollten wie alle Hanfpalmen in den ersten drei Jahren nach der Auspflanzung geschützt werden. Danach kann man schrittweise auf Winterschutz verzichten und die tatsächliche Härte des individuellen Exemplars testen. Mehr zur optimalen Überwinterungsstrategie im Schritt-für-Schritt Winterguide.

Bulgaria-Selektion für maximale Winterhärte

Die Bulgaria ist für alle die in Lagen mit strengen Wintern Palmen kultivieren wollen die erste Wahl. Im Shop führen wir Bulgaria-Pflanzen wenn verfügbar und können dir sagen woher die Elternpflanzen stammen. Dazu alles für die Kultivierung.

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FAQ zu T. fortunei 'Bulgaria'

Ist jede 'Bulgaria' im Handel auch wirklich von den Plovdiv-Pflanzen?
Nicht zwangsläufig. Der Name 'Bulgaria' ist nicht geschützt und wird manchmal für normale Fortunei-Pflanzen verwendet. Bei renommierten Anbietern mit dokumentierter Herkunft bekommt man echte Bulgaria-Nachkommen. Im Zweifelsfall ist eine Fortunei von einem gesicherten Hochlagen-Naturstandort ebenbürtig.
Wie viel frosthärter ist die Bulgaria als normale T. fortunei?
Dokumentierte Vergleichstests sind selten. Die Plovdiv-Pflanzen haben −20 °C überlebt, normale Fortunei gilt als zuverlässig bis −18 °C. Das sind etwa 2 bis 3 °C Unterschied die in einem Extremwinter relevant sein können.
Warum war die Frosthärte in Plovdiv so extrem?
Plovdiv liegt in einer kontinentalen Klimazone mit trockener Kälte. Diese Kombination ist für Palmen günstiger als feuchte Kälte. Zudem waren die Pflanzen seit Jahren an das lokale Klima angepasst und hatten massive Stämme die gut isolieren.
Kann man Bulgaria-Nachkommen selber aus Samen ziehen?
Ja, wenn man Samen von dokumentierten Bulgaria-Elternpflanzen hat. Die Nachkommen variieren aber in ihrer Frosthärte – nicht jeder Samen einer Bulgaria wird genauso hart wie die Eltern. Mehrere Generationen der Selektion auf Frosthärte verbessern das Ergebnis.