Das NRW-Klima für Palmen: Vor- und Nachteile
Ich lebe und kultiviere bei Bonn und bin damit mittendrin in einem der besten Palmengebiete Deutschlands. Die Rheinebene und das Ruhrgebiet haben atlantisch geprägtes Klima mit milden, aber feuchten Wintern. Das ist für Palmen eine zwiespältige Situation.
Der Vorteil: die absoluten Minustemperaturen bleiben in normalen Wintern moderat. Bonn liegt in Zone 7b, Köln teils in Zone 8a, Düsseldorf 7b bis 8a. Dauerfrost unter −15 Grad ist selten und wenn dann kurz. Eine gut kultivierte T. fortunei überwintert hier ohne jeglichen Schutz an einem guten Standort.
Der Nachteil: die Kombination aus Feuchtigkeit und Kälte. NRW hat viele Tage mit gleichzeitigem Frost und Regen oder Nassschnee, also genau die Nassekälte die für Palmen besonders problematisch ist. Deshalb ist in NRW der Herzschutz wichtiger als in trockeneren Kontinentallagen auch wenn die Temperaturen milder sind.
Erfahrungen aus dem Rheinland
Im Rheinland und im Kölner Raum stehen einige der beeindruckendsten Freilandpalmen Deutschlands. Es gibt Exemplare mit über 80 cm Stamm die seit mehr als 30 Jahren ohne jeglichen Winterschutz an der Hauswand stehen. Das zeigt was bei optimalem Standort möglich ist.
Oliver Misch aus Bonn – also ich – kultiviere auf meinem Freilandfeld bei Bonn seit 2010 über 40 Palmenarten. Die Erfahrung: T. fortunei ist in NRW absolut zuverlässig. Wagnerianus ist ideal für die teils stürmischen Herbst- und Winterwinde. Und für Experimentierfreudige sind in den wärmsten Kölner und Bonner Stadtlagen sogar Chamaerops-Freilandversuche möglich.
Problematischer sind Lagen mit schwereren Böden und hohem Grundwasser wie manche Teile des Münsterlandes. Dort ist Drainage entscheidender als anderswo.
Die besten Arten für NRW
T. fortunei ist die erste Wahl ohne jede Einschränkung. In Zone 7b (Köln, Bonn, Düsseldorf) kommt sie ohne Schutz aus wenn der Standort stimmt. Ein einfacher Herzschutz als Versicherung ist trotzdem sinnvoll.
T. wagnerianus besonders für das windreichere Ruhrgebiet und exponierte Lagen. Die steifen kleinen Blätter vertragen die häufigen Stürme deutlich besser als T. fortunei.
T. fortunei 'Bulgaria' für Lagen in Ostwestfalen, im Sauerland oder anderen kühleren NRW-Teilen. Dort können Winter schärfer sein und die Bulgaria gibt mehr Sicherheit.
Chamaerops humilis für die wärmsten Kölner und Bonner Stadtlagen im Kübel oder als Freilandversuch an einer Südwand. Mit einfachem Winterschutz gut kultivierbar.
Besondere NRW-Standorte
Das Rheintal zwischen Bonn und Köln ist eines der mildesten Gebiete NRWs. Hier wirkt der Fluss als Wärmespeicher der die Temperaturen moderat hält. Große Gärten in Rheinufer-Nähe mit Südexposition sind ideale Palmenstandorte.
Das Ruhrgebiet hat trotz seiner urbanen Wärme teils stärkere Winde als die Rheinebene. Windschutz ist hier wichtiger. T. wagnerianus oder T. fortunei an gut geschützten Hauswänden funktionieren aber sehr gut.
Das Münsterland und Teile Westfalens sind kühler und feuchter. Hier intensiverer Herzschutz empfohlen und gute Drainage besonders wichtig wegen der schweren Böden in Teilen der Region.
Praktische Tipps für NRW-Gärtner
- Herzschutz wegen der Nassekälte wichtiger als in trockenen Kontinentallagen
- Südwand oder Hauswand-Standort nutzen für natürlichen Wärmeeffekt
- Im Ruhrgebiet T. wagnerianus gegenüber T. fortunei bevorzugen
- Boden auf Drainage prüfen: im Münsterland oft lehmig-schwer
- NRW-Palmenforen und lokale Sammlertreffen nutzen für Standorterfahrungen aus der direkten Umgebung
Der Standort-Ratgeber gibt die allgemeinen Grundlagen und der Überwinterungs-Ratgeber erklärt warum Nassekälte in atlantischem Klima besonders relevant ist.
Oliver Misch
Oliver Misch züchtet seit 2010 winterharte Palmen auf einem Freilandfeld in der Nähe von Bonn. Was als Hobby begann ist heute eine umfangreiche Sammlung mit über 40 Arten und Selektionen. Er betreibt winterhartepalmen.de und teilt seine praktischen Erfahrungen aus dem Anbau.