Trachycarpus fortunei – die Chinesische Hanfpalme
Seit fast zweihundert Jahren wächst sie in europäischen Gärten und ist bis heute ungeschlagen wenn es darum geht welche Palme wirklich winterhart und pflegeleicht ist. Ein Porträt der Chinesischen Hanfpalme.
Herkunft und natürlicher Standort
Die Chinesische Hanfpalme stammt aus den Bergregionen Chinas, Nepals und des östlichen Himalayas. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von den Provinzen Yunnan, Sichuan und Hunan in China bis in die Ausläufer des Himalaya auf Höhen bis 2.400 Metern. Dort wächst sie in gemischten Wäldern mit kalten Wintern und relativ feuchten Sommern – ein Klima das dem mitteleuropäischen tatsächlich gar nicht so unähnlich ist.
In Europa ist Trachycarpus fortunei seit 1830 bekannt. Der Botaniker Philipp Franz von Siebold brachte sie aus Japan nach Europa wo sie damals bereits seit Jahrhunderten kultiviert wurde. Benannt wurde sie nach dem Pflanzenjäger Robert Fortune der sie 1849 für den Royal Botanic Gardens Kew nach England brachte. Seitdem hat sie sich zur meistangebauten Freilandpalme nördlich der Alpen entwickelt.
Was die Fortunei von anderen Palmen unterscheidet ist ihre Kombination aus Kälte- und Nassekältetoleranz. Viele Palmen überstehen kurze Fröste aber versagen bei anhaltend feuchter Kälte. Die Fortunei hat sich an gerade diese Bedingungen angepasst und ist deshalb für das maritime Klima Mitteleuropas so gut geeignet.
Wuchs und Erscheinungsbild
Ausgewachsen erreicht Trachycarpus fortunei Höhen von 8 bis 12 Metern, in sehr milden Lagen auch mehr. Der Stamm ist von einem charakteristischen braunen Fasermantel bedeckt, den die alten Blattbasen hinterlassen. Dieser Fasermantel ist eines der unverwechselbarsten Erkennungszeichen der Art und dient der Pflanze auch als Isolationsschicht gegen Kälte.
Die fächerförmigen Blätter erreichen Durchmesser von 60 bis 120 cm. Sie sind tief eingeschnitten bis etwa zur Hälfte des Radius und beim Jungpflanzenstadium steifer, bei älteren Pflanzen lockerer hängend. Die Blätter sind auf der Unterseite leicht bläulich-grün bereift. Ein gesunder Stamm von 20 cm Durchmesser oder mehr signalisiert eine etablierte, frostresistente Pflanze.
Das Wachstum ist in mitteleuropäischen Gärten moderat. Man rechnet mit 20 bis 40 cm Stammlängenzuwachs pro Jahr unter guten Bedingungen. Jungpflanzen wachsen zunächst sehr langsam da sie erst einen Stammdurchmesser von etwa 20 cm erreichen müssen bevor sie nennenswert in die Höhe wachsen.
Winterhärte und Frosttolerantz
Trachycarpus fortunei ist eine der frosthärtesten Palmen die man in Mitteleuropa kultivieren kann. Gut eingewurzelte adulte Pflanzen überstehen kurzfristige Temperaturen bis −18 °C ohne bleibende Schäden. Solche Extremwerte treten in Deutschland nur selten auf und das vor allem in Kontinentallagen.
Wichtiger als die maximale Tiefsttemperatur ist jedoch die Dauerfrostbelastung. Dauerfrost unter −10 °C über mehrere Wochen ist kritischer als ein einzelner Kälteeinbruch auf −15 °C in einer Nacht. Der Grund liegt im Gefrier-Tau-Wechsel: Pflanzengewebe übersteht Frost besser wenn es langsam gefriert und langsam auftaut. Schnelle Wechsel sind gefährlicher.
Nassekälte ist beim Standort der entscheidende Faktor. Eine Fortunei die bei Regen und gleichzeitig −5 °C steht ist stärker gefährdet als eine die bei −12 °C unter Schnee liegt. Der faserige Stamm hilft hier als natürliche Isolierung, aber der Wurzelballen sollte nie in Staunässe gefrieren.
Jungpflanzen bis etwa drei Jahre nach der Auspflanzung sollten konsequent geschützt werden. Ab einem Stamm von 30 cm Höhe und guter Einwurzelung können die meisten Hanfpalmen in Zone 7b (bis −17 °C) problemlos überwintern ohne jeglichen Schutz.
Standort, Boden und Pflanzung
Trachycarpus fortunei ist vergleichsweise anspruchslos was den Standort betrifft. Sie wächst in voller Sonne ebenso wie im Halbschatten, bevorzugt aber sonnige bis leicht halbschattige Lagen mit Schutz vor starken Winden. Ein windgeschützter Standort ist wichtig nicht wegen der Kälte sondern wegen des Blattverschleißes durch permanenten Winddruck.
Der Boden sollte durchlässig sein – das ist wichtiger als seine Nährstoffversorgung. Staunässe ist der größte Feind der Hanfpalme. Ein pH-Wert von 6,0 bis 7,5 ist ideal, sie toleriert aber auch leicht saure oder alkalische Böden. Bei schweren Lehmböden empfiehlt sich das Einmischen von Kies oder Perlite und das Anlegen einer Drainageschicht.
Beim Pflanzen sollte die Pflanze nicht tiefer gesetzt werden als sie im Topf stand. Der Übergang von Stamm zu Wurzeln muss über dem Bodenniveau liegen. Eine Mulchschicht von 10 bis 15 cm um den Stamm herum schützt den Wurzelballen vor Frost und hält Feuchtigkeit.
Pflege im Jahresverlauf
Im Frühling beginnt die aktive Wachstumsphase. Von März bis August kann monatlich mit einem Palmdünger oder einem kaliumbetonten Volldünger gedüngt werden. Die Hanfpalme schätzt regelmäßige Bewässerung bei Trockenheit, verträgt aber auch mehrwöchige Trockenphasen wenn sie gut etabliert ist.
Tote Blätter sollten erst dann entfernt werden wenn sie vollständig braun und trocken sind. Grüne Blätter die nur an den Spitzen braun sind immer stehen lassen – sie tragen noch zum Wachstum bei. Das Entfernen von noch teilweise grünen Blättern schwächt die Pflanze.
Gedüngt wird nie nach August. Stickstoff im Herbst fördert weiches Gewebe das frostempfindlich ist. Im September und Oktober die Bewässerung reduzieren und die Pflanze auf den Winter vorbereiten.
Ein Winterschutz ist für etablierte Pflanzen in Zone 7b und milder optional, für Jungpflanzen empfehlenswert. Das Herz der Palme (die Wachstumsspitze) sollte mit Vlies oder Kokosfaser locker abgedeckt werden. Der Stamm kann mit einem Vliesstreifen gewickelt werden – zu fest darf er nicht sein damit keine Feuchtigkeit eingeschlossen wird.
Trachycarpus fortunei als Kübelpflanze
Als Kübelpflanze ist die Hanfpalme beliebt für Terrassen und Balkone. Im Kübel ist sie allerdings deutlich anfälliger als im Freiland weil der Wurzelballen direkt den Außentemperaturen ausgesetzt ist. Ein Kübel von mindestens 60 bis 80 Liter ist für eine ausgewachsene Pflanze notwendig.
Im Winter sollte der Kübel an eine geschützte Stelle gestellt werden und der Topf selbst mit Vlies oder Luftpolsterfolie umwickelt werden. Keinesfalls in einen warmen Keller stellen – die Pflanze braucht die Winterruhe und verträgt auch im Kübel Temperaturen bis −10 °C wenn der Ballen vor Durchfrieren geschützt ist.
Mehr Infos zur Kübelhaltung findest du in unserem Ratgeber Palmen im Kübel.
Vergleich mit ähnlichen Arten
Wer eine robustere Kompaktversion sucht sollte sich Trachycarpus wagnerianus anschauen. Diese Art ist etwas weniger hoch werdend, hat steifere Blätter und ist besonders windresistent. Für Sammler die das Besondere suchen ist T. princeps interessant mit ihren spektakulär weißen Blattunterseiten. Und wer von Frosthärte nicht genug bekommt der sollte sich über die Bulgaria-Selektion informieren die dokumentierte −20 °C überstanden hat.
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