Klimazonen: Deutschland ist nicht gleich Deutschland
Als Gartenarchitektin erlebe ich regelmäßig wie Kunden eine Palme kaufen die "in Deutschland winterhart" sein soll ohne zu wissen dass diese Aussage sehr unterschiedliche Dinge bedeuten kann je nachdem wo man in Deutschland gärtnert. Der Unterschied zwischen dem Bodensee (Zone 8a) und dem Erzgebirge (Zone 6a) entspricht dem klimatischen Unterschied zwischen Stuttgart und dem schottischen Hochland.
Deutschland liegt größtenteils in USDA-Winterhärtezonen 6 bis 8. Das bedeutet: je nach Standort können verschiedene Arten sinnvoll oder unsinnig sein. Eine Chamaerops humilis die am Bodensee problemlos im Freiland wächst überlebt in Brandenburg ohne intensiven Schutz nicht. Diese Grundwahrheit sollte jeder Palmengärtner verstehen bevor er kauft.
Die sicheren Arten: bundesweit kultivierbar
Trachycarpus fortunei (Chinesische Hanfpalme) ist die einzige Palme die ich ohne Einschränkung für ganz Deutschland empfehle. Mit dokumentierter Frosthärte bis −18 °C, Nassekältetoleranz und der Fähigkeit in fast jedem gut drainierten Boden zu wachsen ist sie das Fundament jeder ernsthaften Palmenkultivierung in Deutschland. Einzige Bedingung: guter Standort und kein Staunässe. Erhältlich in jedem Preissegment von der günstigen Jungpflanze bis zur teuren Schaupalme.
T. fortunei 'Bulgaria' für Zone 6 und kalte Kontinentallagen. Diese Plovdiv-Selektion hat dokumentiert −20 °C überlebt und ist in der Kultivierung genauso einfach wie normale T. fortunei. Für Gärtner in Brandenburg, Sachsen oder Mittelgebirgslagen die T. fortunei kultivieren wollen ist sie die sicherste Option. Mehr auf der Bulgaria-Seite.
Trachycarpus wagnerianus für windige Standorte und Terrassen. Die kompakten steifen Blätter machen sie zur ersten Wahl wo normale Fortunei unter Windbelastung leidet. In der Frosthärte mit −17 °C kaum hinter der Fortunei.
Bedingt geeignet: mit Standort und Schutz
Chamaerops humilis (Europäische Zwergpalme) eignet sich gut für Zone 8 (Bodensee, Oberrheintiefebene) und geschützte Zone 7b-Lagen. Mit −12 °C weniger hart als die Hanfpalmen aber optisch eine interessante Ergänzung mit ihrem mehrstämmig buschigen Wuchs. Die blaue Varietät cerifera ist etwas härter und optisch spektakulär. Im Kübel bundesweit kultivierbar mit Winterschutz.
Sabal minor für experimentierfreudige Gärtner in Zone 6 und trockeneren Standorten. Das unterirdische Meristem ermöglicht Neuaustrieb selbst nach vollständigem Blattverlust. Wächst in deutschen Sommern leider sehr langsam.
Butia odorata (Geleepalme) nur für Zone 8 im Freiland oder bundesweit im Kübel. Optisch eine der schönsten winterharten Palmen mit bogenförmigen blaugrünen Wedeln. Hasst Staunässe.
Was trotz Werbeversprechen nicht funktioniert
Hier muss ich ehrlich sein: es gibt Palmen die im Handel als "winterhart für Deutschland" verkauft werden ohne dass das in der Praxis zuverlässig stimmt.
Washingtonia robusta gilt als "bedingt winterhart" und wird gelegentlich angeboten. In Deutschland funktioniert sie nur in den mildesten Lagen (Bodensee, geschützte Rheinlagen) mit intensivem Schutz. Für normales Deutschland ist sie keine sinnvolle Wahl.
Phoenix canariensis (Kanarische Dattelpalme) ist schön aber für Deutschland generell ungeeignet außer in Kübeln die im Winter eingeräumt werden. Wer die im Freiland lassen will braucht Zone 9 – die gibt es in Deutschland nicht.
Die Faustregel: je üppiger und tropischer eine Palme aussieht desto kritischer hinterfragen. Die wirklich winterharten Arten sind Fächerpalmen aus Gebirgsregionen Asiens und Nordamerikas, keine Dattelpalmen aus dem subtropischen Flachland.
Die Kaufentscheidung richtig treffen
Bevor man kauft sollte man drei Fragen beantworten: Welche Winterhärtezone ist mein Standort? Wie ist der Boden (Drainage!)? Was will ich optisch erreichen – Stamm-Palme oder buschige Form?
Für die meisten deutschen Gärtner lautet die Antwort: T. fortunei. Sie ist der bewährteste Ausgangspunkt und wer damit drei erfolgreiche Winter hinter sich hat kann zu anspruchsvolleren Arten weitergehen. Der Kaufberatungs-Ratgeber gibt weitere konkrete Hinweise was beim Kauf zu prüfen ist.
Prof. Dr. Maria Hoffmann
Prof. Dr. Maria Hoffmann lehrt Gartenarchitektur an der Hochschule Geisenheim und hat sich auf die Gestaltung mediterran und exotisch inspirierter Gärten in mitteleuropäischem Klima spezialisiert. Sie hat über 200 Gartenprojekte mit winterharten Exoten in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreut.