Was ist Trachycarpus sp. 'Green Nova' überhaupt?
Green Nova ist eine Sammlerbezeichnung für eine Gruppe von Trachycarpus-Pflanzen die Merkmale von T. princeps zeigen ohne die charakteristischen stark weiß-wachsigen Blattunterseiten der echten Stone Gate Palm zu haben. Der Name ist informell – botanisch nicht validiert, in keinem Herbarium als eigenständige Art oder Hybride beschrieben, und in der Palmenliteratur kaum dokumentiert.
Das macht sie zu einer echten botanischen Grauzone: zu interessant um ignoriert zu werden, zu wenig erforscht um definitiv eingeordnet zu werden. In der europäischen Sammlergemeinschaft kursieren verschiedene Theorien – natürlicher Hybride zwischen T. princeps und T. fortunei, geografische Variante von T. princeps, oder eine undescribed eigene Art aus noch nicht gut erforschten Yunnan-Bergregionen.
Wer Green Nova kauft kauft also bewusst eine botanische Ungewissheit – und für viele Sammler ist genau das der Reiz.
Was wir über die Herkunft wissen
Die Pflanzen die unter dem Namen Green Nova zirkulieren kamen in den 2000er und 2010er Jahren über europäische Palmenzüchter auf den Sammlermarkt. Als Ursprung werden regelmäßig die Bergregionen Yunnans genannt – jene chinesische Provinz die eine Vielzahl von Trachycarpus-Arten beherbergt und wo mehrere Arten in denselben Habitaten vorkommen.
In Yunnan wachsen unter anderem T. fortunei, T. princeps, T. nanus, T. geminisectus und weitere nicht vollständig beschriebene Formen in überlappenden Verbreitungsgebieten. Natürliche Hybridisierung ist in solchen Kontaktzonen bekannt und plausibel. Eine Kreuzung aus T. princeps (für die hellen Blattunterseiten) und T. fortunei (für den Wuchs) wäre eine botanisch naheliegende Erklärung für das Erscheinungsbild von Green Nova.
Wissenschaftlich bestätigt ist das nicht. Molekulargenetische Untersuchungen die den Status eindeutig klären könnten sind nicht öffentlich dokumentiert. Das Rätsel bleibt offen.
Eigenschaften und Kultivierung
Green Nova zeigt in der Regel einen Wuchs der zwischen T. princeps und T. fortunei liegt – langsam, kompakt, mit Fächerblättern die teilweise eine hellere Unterseite haben als normale Fortunei aber keinen weißen Wachsbelag wie echter T. princeps. Die Blätter sind von mittlerer Größe, der Stamm entwickelt sich ähnlich schlank wie bei T. princeps.
Zur Frosthärte gibt es wenige verlässliche Daten. Aufgrund der Verwandtschaft mit T. fortunei und T. princeps wird eine Toleranz bis ca. −14 °C geschätzt. In Zone 7b sollte sie mit einem Herzschutz funktionieren. Für kältere Lagen ist das Datenmaterial zu dünn um eine verlässliche Empfehlung zu geben.
Kultiviert man sie wie T. fortunei: vollsonniger Standort, gute Drainage, Herzschutz im Winter. Die Unsicherheit über ihren botanischen Status ändert an den praktischen Pflegeanforderungen nichts – Fächerpalmen aus ähnlichen Habitaten haben ähnliche Bedürfnisse.
Eine Pflanze für Sammler mit Sinn für Entdeckungen
Green Nova ist keine Pflanze die man kauft weil man eine beeindruckende Gartenpalme will. T. fortunei ist dafür die deutlich bessere Wahl – bewährt, gut verfügbar, gut dokumentiert. Green Nova kauft man weil man an der Vielfalt der Gattung Trachycarpus interessiert ist, weil einem die Geschichte hinter einer botanisch noch ungeklärten Pflanze gefällt, und weil es eine kleine Freude hat etwas zu kultivieren das die Wissenschaft noch nicht vollständig verstanden hat.
In dieser Sammlerlogik steht Green Nova in einer Reihe mit T. × takaghii, der Variegata-Selektion und anderen Nischen-Kultivaren die ihre Berechtigung nicht durch Gartentauglichkeit haben sondern durch botanische Interessantheit. Wer Trachycarpus sammelt findet in Green Nova eine lohnenswerte Ergänzung.