Das Grundproblem beim Kübel: der Frost kommt von allen Seiten
Eine ausgepflanzte Palme hat das Erdreich als Wärme- und Isolationsspeicher. Selbst bei −15 °C Außentemperatur ist der Boden in 50 cm Tiefe kaum gefroren. Ein Kübel dagegen ist allseits von Außenluft umgeben. Der Frost greift nicht nur von oben an sondern auch von den Seiten und von unten. Das ist der Grund warum Kübelpflanzen selbst bei identischer Frosthärte weniger kältetolerant sind als Freilandpflanzen.
Dazu kommt dass der Kübelboden oft auf kalten Steinplatten oder Terrassen steht die eine hervorragende Wärmeleitfähigkeit haben. Ein Kübel der direkt auf Naturstein oder Beton steht verliert nachts deutlich mehr Wärme als einer der auf einem Holzrost oder einer Styroporplatte steht.
Sofortmaßnahme: Alle Kübelpflanzen die draußen überwintern sollen auf Holzroste oder Styroporplatten stellen damit der Kälteleiter Boden unterbrochen wird. Das kostet nichts und bringt 2 bis 3 °C weniger Kältebelastung für den Wurzelballen.
Einräumen oder draußen lassen?
Die Entscheidung hängt von drei Faktoren ab: der Frosthärte der Art, der Topfgröße und dem verfügbaren Winterquartier. Als Faustregel gilt: Eine robuste T. fortunei in einem 80-Liter-Kübel kann in Zone 7b mit gutem Schutz draußen überwintern. Eine weniger frostharte Art wie Butia odorata oder Chamaerops humilis sollte in Zone 7 eingeräumt werden.
Ein kleinerer Kübel ist immer schlechter als ein großer. In einem 20-Liter-Topf friert der Wurzelballen bei −5 °C komplett durch. In einem 100-Liter-Kübel mit guter Dämmung braucht es viel kältere Temperaturen und längere Kälteperioden um denselben Effekt zu erzielen.
Draußen überwintern mit Schutz
Für robuste Arten in ausreichend großen Kübeln ist das Überwintern draußen mit entsprechenden Schutzmaßnahmen gut möglich:
- Kübel an eine geschützte Stelle stellen: Hauswand, überdachte Terrasse, Eingangsbereich
- Kübel mit Vlies oder Jutesäcken umwickeln um die Wärme im Substrat zu halten
- Herzschutz wie bei Freilandpflanzen: Kokosfaser plus Vlies
- Auf Holzrost oder Styroporplatte stellen
- Bei extremem Frost zusätzlich mit einer PE-Haube überstülpen die Belüftungsöffnungen hat
Einräumen: wo und wie?
Das ideale Winterquartier für eingeräumte Palmen ist kühl (2 bis 8 °C), frostfrei, nicht zu dunkel und gut belüftet. In Ordnung sind: ungeheiztes Gewächshaus, kühle Garage mit etwas Tageslicht, heller Keller oder Kellertreppe, überdachter Durchgang.
Nicht geeignet: warmer beheizter Keller (Pflanze kommt aus der Winterruhe), dunkler Keller ohne jedes Licht (nach einigen Wochen entstehen Lichtmangel-Symptome), stickige schlecht belüftete Räume (Schimmelgefahr).
Eine häufige Frage: braucht die Palme im Winterquartier Licht? Wenig frosthartes Gewebe und die Tatsache dass Palmen in Winterruhe wenig Photosynthese betreiben bedeutet dass sie mit deutlich weniger Licht auskommen als im Sommer. Ein helles Fenster oder auch ein etwas dunklerer Raum mit gelegentlichem Tageslicht reicht für die Wintermonate. Verlängerte komplette Dunkelheit über mehrere Monate sollte aber vermieden werden.
Gießen im Winter
Kübelpflanzen im Winter möglichst wenig gießen. Das Substrat sollte leicht feucht bleiben aber nie nass sein. Ausgetrocknetes Substrat ist für Frost anfälliger weil Wärmekapazität und Isolationswirkung sinken. Gleichzeitig fördert nasses Substrat bei kühlen Temperaturen Wurzelfäulnis.
Praktische Regel: einmal in drei bis vier Wochen prüfen ob das Substrat komplett trocken ist. Wenn ja einmal leicht angießen. Wenn das Substrat noch feucht ist abwarten. Im Winterquartier brauchen Pflanzen noch weniger Wasser als draußen weil die Verdunstung bei kühlen Temperaturen minimal ist.
Bei draußen überwinternden Pflanzen bei Temperaturen unter 0 °C nicht gießen. Gefrierendes Gießwasser im Substrat kann mehr Schaden anrichten als Trockenheit.
Häufige Fehler bei Kübelpflanzen im Winter
Der häufigste Fehler: zu warmes Winterquartier. Ein Keller mit 18 °C ist für überwinternde Palmen ein Problem weil die Pflanze dort nicht in Winterruhe geht. Sie versucht zu wachsen hat aber kein ausreichendes Lichtangebot. Das Ergebnis: etiolierte blasse Triebe die im Frühling schlecht starten und die Pflanze insgesamt schwächen.
Zweiter häufiger Fehler: Einräumen zu spät oder zu früh. Zu frühes Einräumen (August/September) nimmt der Pflanze die Abhärtungsphase. Zu spätes Einräumen (November bei schon mehrfachen Frösten) bedeutet Stress durch plötzliche Temperaturwechsel beim Transport.
Dritter Fehler: beim Ausräumen im Frühling die Pflanze sofort in die volle Sonne stellen. Nach Wochen in halbdunklem Winterquartier braucht die Pflanze eine Eingewöhnungsphase. Erst in den Halbschatten für zwei bis drei Wochen dann schrittweise an mehr Licht gewöhnen.
Kübelpflanzen für draußen oder Einräumen: Entscheidungshilfe
- T. fortunei, Kübel > 60 L, Zone 7b: draußen mit Schutz möglich
- T. fortunei, Kübel < 40 L: besser einräumen oder sehr gut dämmen
- T. wagnerianus, Kübel > 40 L, Zone 7b: draußen möglich
- Chamaerops humilis, Zone 7: einräumen empfohlen
- Butia odorata, Zone 7: unbedingt einräumen, kühles frostfreies Quartier
- T. martianus, T. oreophilus: immer einräumen in Zone 7 und kälter
- Jungpflanzen jeder Art, Stamm < 15 cm: immer einräumen