Planung ist alles – Endgröße im Kopf behalten
Der häufigste Fehler im kleinen Garten: eine Pflanze kaufen die schön und passend groß aussieht, ohne daran zu denken was sie in 15 oder 20 Jahren ist. T. fortunei kann in einem kleinen Bonner Stadtgarten nach 25 Jahren eine 6-Meter-Pflanze sein die alles überschattet und domiert. Das kann gewollt sein – muss es aber nicht.
Bei kleinen Gärten gilt mehr als anderswo: immer die Endgröße und das Wachstumstempo bedenken. Ich habe in meinem eigenen Garten in Bonn Pflanzen die ich als junger Gärtner gesetzt habe und die heute eine andere Planung erfordert hätten. Der T. wagnerianus an der Südwand macht seit 12 Jahren alles richtig. Die T. fortunei im Beet hätte ich heute anders positioniert.
Kompakte Arten für kleine Gärten
T. wagnerianus ist die erste Wahl. Langsamer Wuchs, kompaktere Blätter, maximal 6 bis 8 Meter in Deutschland nach vielen Jahrzehnten. Für ein kleines Stadtgarten ist das handhabbar, besonders weil die ersten 20 Jahre kaum Stammhöhe über 1,5 bis 2 Meter anfallen.
T. nanus für Gärtner die eine Dekade Geduld haben: bleibt dauerhaft unter 80 cm, kaum Stamm, sehr winterhart. Einziger Nachteil ist das extrem langsame Wachstum und die Seltenheit im Handel. Für einen kleinen Garten als ergänzende Bodendecker-Palme neben einem größeren Exemplar aber ausgezeichnet.
Chamaerops humilis in Zone 8 und milden 7b-Lagen: buschiger Wuchs bis 2 bis 3 Meter, mehrstämmig, sieht anders aus als eine Hanfpalme und bringt Abwechslung. In kleinen Gärten funktioniert die andere Wuchsform oft besser als eine zweite Hanfpalme.
Die Kübel-Strategie für volle Kontrolle
Im Kübel behält man volle Kontrolle über die Pflanzengröße. Der begrenzte Wurzelraum bremst das Wachstum, der Kübel kann umgestellt werden, und man kann die Pflanze notfalls gegen eine andere tauschen wenn sie zu groß wird. Für kleine Gärten in Zone 7a und kälter ist der Kübel mit Einräumen im Winter die pflegeleichteste Option.
Der optische Nachteil: ein Kübel ist ein Kübel und sieht nicht wie eine ausgepflanzte Pflanze aus. Das lässt sich durch gute Kübel und gute Bepflanzung drumherum abmildern aber nicht vollständig verstecken. Wer den natürlichen Freilandlook will kommt um das Auspflanzen nicht herum.
Gestaltung im kleinen Garten
Im kleinen Garten ist eine Palme genug – meistens sogar ein Solitär der alles sagt. Zwei Palmen können wirken als würde man den Raum überladen. Eine große imposante Pflanze an der richtigen Stelle als zentrales Gestaltungselement mit kleineren Begleitpflanzen drumherum ist fast immer überzeugender als mehrere mittlere Pflanzen die um Aufmerksamkeit konkurrieren.
Yucca filamentosa, Agapanthus, Lavendel oder Gräser als Bodendecker und Begleitpflanzen lassen die Palme wirken ohne ihr den Raum zu nehmen. Helle Kiesflächen direkt um den Stamm herum helfen visuell und praktisch gleichzeitig.
Was man im kleinen Garten vermeiden sollte
T. fortunei aus einer Massenaufzucht kaufen die für optimale Bedingungen selektiert wurde und in einem kleinen Garten unter günstigen Bedingungen deutlich schneller wächst als erwartet. Wer eine langsam wachsende Pflanze will sollte das explizit beim Kauf ansprechen.
Mehrere Palmen gleichzeitig pflanzen. Im kleinen Garten besser mit einer anfangen, ein paar Jahre beobachten wie sie sich entwickelt und dann entscheiden ob eine zweite sinnvoll ist. Überbepflanzung ist im kleinen Garten schwerer zu korrigieren als im großen.
Oliver Misch
Oliver Misch betreibt winterhartepalmen.de und kultiviert seit über 15 Jahren winterharte Palmen im Rheinland. Seine Artikel entstehen aus eigener Erfahrung und dem Austausch mit der Sammlergemeinschaft.