Überwinterung

Fehler beim Überwintern von Palmen – was wirklich schiefläuft

von Oliver Misch | 8. Dezember 2025 | Lesezeit ca. 7 Min.

Fast jeder macht am Anfang dieselben Fehler. Die gute Nachricht: sie sind bekannt und vermeidbar. Die fünf häufigsten Überwinterungsfehler und wie man sie beim nächsten Mal vermeidet.

Fehler 1: Zu dicht einpacken – der Schimmelkiller

Auf meinem Freilandfeld bei Bonn sehe ich jedes Frühjahr was passiert wenn gut gemeinter Schutz zum Problem wird. Palmen die dicht in Plastikfolie oder luftundurchlässigem Material eingewickelt wurden sehen im März oft schlimmer aus als ungeschützte Pflanzen. Der Grund ist Schimmel.

Bei milden Winterphasen über 5 Grad entstehen unter luftdichtem Material feuchte Wärmekammern in denen Schimmel innerhalb weniger Tage wuchert. Schimmel direkt am Herz der Palme kann die Wachstumsspitze töten – zuverlässiger als normaler Frost in Zone 7b.

Die Lösung: nur atmungsaktive Materialien verwenden. Wintervlies (50 g/m²) lässt Luft und etwas Feuchtigkeit durch während es thermisch isoliert. Kokosfaser und Kokosmatten sind ebenfalls gut. Plastikfolie nur als äußerste Schicht und nur bei dauerhaftem Frost unter −10 Grad, niemals luftdicht verschlossen.

Fehler 2: Im September noch düngen

Das passiert häufig aus gutem Willen: man sieht die Pflanze im Herbst etwas fahl werden und gibt ihr nochmal einen Schuss Flüssigdünger. Das ist kontraproduktiv. Stickstoffreiche Düngung im Herbst produziert weiches, schnell wachsendes Gewebe das besonders frostanfällig ist.

Die Pflanze braucht im Herbst keine Förderung sondern Ruhe und Abhärtung. Ab Mitte September keine Stickstoffdüngung mehr. Wer noch einmal nachdüngen will nimmt einen kaliumbetonten Herbst- und Winterdünger der die Zellwände stärkt statt weiches Gewebe zu produzieren.

Fehler 3: Den Schutz im März komplett abnehmen

Das Frühlingsgefühl im März ist trügerisch. Ein warmes Wochenende Ende März verleitet dazu den kompletten Winterschutz zu entfernen. Dann kommt in der Folgewoche der Spätfrost und die Pflanze die bereits aus der Winterruhe erwacht ist und ihre physiologischen Schutzmechanismen abgebaut hat ist ungeschützt.

Richtig: im März bei milden Phasen gelegentlich lüften und auf Schimmel prüfen. Den Herzschutz erst abnehmen wenn keine Nachtfröste mehr angezeigt sind also typischerweise ab Mitte April. Den letzten Schutz immer an einem bewölkten Tag abnehmen weil die Blätter nach langer Abdeckung UV-empfindlicher sind.

Fehler 4: Das Herz vergessen

Aufwändige Stammwicklung, dicke Blattschnüre, mehrere Lagen Vlies rund um die Pflanze – und dann fehlt der Herzschutz. Genau das erlebe ich regelmäßig. Das Herz ist die Wachstumsspitze ganz oben in der Mitte des Blattkranzes und das einzige Gewebe aus dem neue Blätter entstehen können. Wenn das Herz stirbt stirbt die Pflanze.

Der Herzschutz ist die einfachste und wichtigste Maßnahme: eine Handvoll trockene Kokosfaser locker über die Wachstumsspitze legen und mit einem Stück Vlies sichern. 20 Minuten Aufwand für die wichtigste Versicherung im Winterschutz. Alles andere ist optional, der Herzschutz nicht.

Fehler 5: Zu früh aufgeben nach Frostschäden

Jedes Frühjahr bekommen ich und meine Kollegen von Oliver Misch Anfragen von besorgten Gärtnern die ihre Palme nach einem harten Winter abschreiben wollen. Die Pflanze sieht nach dem Winter braun und leblos aus und die Frage lautet ob man sie jetzt rausreißen soll.

Meine Antwort ist fast immer: Warten. Das Herz prüfen (fest, grün, zieht sich nicht leicht heraus = lebt). Und dann bis Ende Mai abwarten. Ich habe Palmen erlebt die im April noch komplett braun und scheinbar tot waren und im Juni zwei frische neue Blätter produzierten. Geduld ist die günstigste und wirksamste Maßnahme die es gibt.

Erst wenn das Herz braun-matschig ist, faulig riecht und sich leicht herausziehen lässt ist die Diagnose mit hoher Wahrscheinlichkeit endgültig. Und selbst dann lohnt es sich bis Ende Mai zu warten. Details im Ratgeber Frostschäden richtig erkennen.

OM

Oliver Misch

Hobby-Palmenzüchter aus Bonn – 15 Jahre Freilandanbau

Oliver Misch züchtet seit 2010 winterharte Palmen auf einem Freilandfeld in der Nähe von Bonn. Was als Hobby begann ist heute eine umfangreiche Sammlung mit über 40 Arten und Selektionen. Er betreibt winterhartepalmen.de und teilt seine praktischen Erfahrungen aus dem Anbau.

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FAQ – Fehler beim Überwintern

Darf ich Palmen gar nicht einpacken?
Doch, aber mit atmungsaktiven Materialien. Wintervlies, Kokosfaser und Kokosmatten sind ideal. Keine luftdichte Plastikfolie außer bei dauerhaftem Extremfrost und dann mit Belüftungsöffnungen.
Wie oft soll ich den Schutz im Winter kontrollieren?
Einmal pro Monat bei milden Phasen kurz lüften und auf Schimmel prüfen. Nicht häufiger weil ständiges Öffnen und Schließen mehr Schaden anrichtet als es nutzt.
Ich habe im September gedüngt – was jetzt?
Das lässt sich nicht rückgängig machen. Ab sofort kein Stickstoff mehr, leicht mit Kalium nachdüngen wenn möglich. Den Schutz etwas früher anbringen als sonst.
Wie erkenne ich ob das Herz noch lebt?
Das jüngste gerollte Blatt in der Mitte sanft anfassen: fest, grün, zieht sich nicht leicht heraus = Herz lebt. Leicht herausziehbar, braun oder mit fauligem Geruch = ernstes Problem.