Warum Schimmel unter dem Winterschutz entsteht
Schimmel ist ein Pilz der warme, feuchte und schlecht belüftete Bedingungen liebt. Der Winterschutz von Palmen schafft genau diese Bedingungen wenn er falsch angebracht wird: die Pflanzenwärme sammelt sich unter dem Material, die natürliche Verdunstung der Pflanze erzeugt Feuchte und wenn keine Luftzirkulation möglich ist entsteht ein ideales Schimmelbiotop.
Besonders problematisch sind milde Winterphasen über 5 bis 10 Grad. Bei diesen Temperaturen ist die Pflanze noch aktiv und produziert Wärme und Feuchte aber der Schutz ist noch nicht nötig. Gleichzeitig sind diese Temperaturen ideal für Pilzwachstum. Wer den Schutz zu früh bei noch mildem Wetter anbringt oder ihn während milder Winterphasen nicht kontrolliert läuft Gefahr Schimmel zu produzieren.
Das häufigste Problem: luftundurchlässige Materialien. Plastikfolie, dichte PE-Hauben ohne Belüftung oder mehrfach aufgewickelte Vlieslagen die keine Luft mehr durchlassen schaffen die schlechtesten Bedingungen. Oliver Misch aus Bonn hat mir erzählt dass er in seinen ersten Palmenjahren einmal eine Pflanze mit Frischhaltefolie und alten Säcken eingewickelt hat und im März einen komplett durchschimmelten Stammbereich vorfand. Seitdem schwört er auf Kokosfaser und atmungsaktives Vlies.
Warum Schimmel gefährlicher ist als Frost
Das klingt paradox aber es stimmt: in Zone 7b tötet schlecht angebrachter Winterschutz mit Schimmelbildung mehr Palmen als der bloße Frost. Der Grund liegt in der Anatomie der Palme.
Das Herz sitzt in einem geschlossenen, feucht-warmen Umfeld – genau das was Schimmelpilze brauchen. Sobald Schimmel das Herzgewebe direkt befällt kann sich Grauschimmel (Botrytis) oder Phytophthora in wenigen Tagen durch das empfindliche Meristem fressen. Während die Pflanze einen Frost von −8 Grad noch überlebt wenn das Herz trocken ist kann schon ein mildes feuchtes Schimmelereignis bei +3 Grad tödlich sein.
Das erklärt auch warum in atlantischem Klima wie NRW manche Palmengärtner Verluste haben die in kontinentaleren Lagen (wo es kälter aber trockener ist) nicht auftreten.
Schimmel erkennen und einschätzen
Bei der Winterkontrolle (einmal pro Monat kurz lüften empfohlen) auf folgende Zeichen achten:
- Grauweißer oder grünlicher Belag auf Vlies oder Kokosfaser
- Muffiger Geruch beim Öffnen des Schutzes
- Kondensfeuchte unter dem Material
- Dunkle Flecken auf Blattbasis oder Stammbereich
Schimmel auf dem Vlies selbst ist weniger besorgniserregend als Schimmel direkt auf der Pflanze oder gar am Herzbereich. Bei Schimmel nur auf dem Material: Material tauschen und Bereich trocknen. Bei Schimmel auf der Pflanze: sofort behandeln.
Sofortbehandlung bei Schimmelbefall
Bei Schimmel auf der Pflanze sofort handeln:
- Schutzmaterial vollständig entfernen und die Pflanze auslüften lassen
- Sichtbar befallene Bereiche mit einem trockenen Tuch oder weichen Bürste mechanisch entfernen
- Befallene Stellen mit Kupferfungizid oder einem Grauschimmel-Mittel besprühen
- Wenn möglich den betroffenen Bereich trocknen lassen bevor neuer Schutz angebracht wird
- Neuen Schutz nur aus atmungsaktiven Materialien anbringen, niemals Folie oder luftdichte Materialien
Bei Schimmel am Herzbereich besonders sorgfältig behandeln und täglich kontrollieren. Wenn das Herzgewebe selbst befallen ist gelten die Maßnahmen aus dem Speer-Artikel.
Dauerhafte Vorbeugung
Die wichtigste Maßnahme: nur atmungsaktive Materialien verwenden. Wintervlies (50g/m²) ist ideal. Kokosfaser und Kokosmatten ebenfalls. Keine Plastikfolie außer als äußerste Regenabwehr mit Belüftungsöffnungen und nur bei dauerhaftem tiefem Frost.
Zweite Maßnahme: monatliche Kontrolle und bei milden Phasen über 8 Grad kurz lüften. Das kostet fünf Minuten und verhindert viel Schaden.
Dritte Maßnahme: Winterschutz nicht zu früh anbringen. Erst wenn Nächte dauerhaft unter 5 Grad fallen sollte das Material angebracht werden. Das verhindert den Schimmel-Frühstart in milden Herbstnächten. Der genaue Zeitpunkt ist im Zeitpunkt-Artikel beschrieben.
Dr. Klaus Brinkmann
Dr. Klaus Brinkmann hat an der Universität Bonn Botanik studiert und beschäftigt sich seit 1991 mit der Kultivierung subtropischer Gehölze in Mitteleuropa. In seinem Garten in der Rheinebene wachsen über 60 Palmen, davon 23 Arten im Freiland.