Nannorrhops ritchiana – Mazaripalme

Die einzige Fächerpalme die natürlich verzweigt – aus den Wüstentälern Afghanistans und Pakistans. Extrem winterhart und trockenheitsresistent, aber Nassekälte bleibt das Risiko.

bis −20 °C Frosthärte 1–4 m Wuchshöhe Einzige verzweigende Fächerpalme

Herkunft aus dem Hindukusch

Nannorrhops ritchiana wächst in einer der unwirtlichsten Regionen der Welt – den trockenen Gebirgstälern Afghanistans, Pakistans und des Irans. Sie kommt in Wüstenschluchten, auf Geröllhängen und in Flussniederungen vor die im Sommer extreme Hitze und im Winter harten Frost erleben. Jahrtausendelang wurde sie von den lokalen Bevölkerungen genutzt – Blätter für Flechtwerk, Fasern für Seile, Früchte als Nahrung.

Sie ist die einzige Fächerpalme die verzweigt wächst – eine biologische Besonderheit unter Palmen die normalerweise nicht verzweigen. Diese Eigenschaft macht sie botanisch einzigartig.

Winterhärte vs. Nassekälte

Auf dem Papier ist N. ritchiana mit bis zu −20 °C eine der winterhärtesten Palmen überhaupt – vergleichbar mit der Bulgaria-Selektion. In der deutschen Gartenpraxis stellt sich jedoch dasselbe Problem wie bei B. armata: Nassekälte ist das eigentliche Risiko, nicht der Frost.

In ihrer Heimat sind die Winter kalt aber trocken. In Deutschland ist die Kombination aus Feuchtigkeit und Frost das was diese Palme am meisten gefährdet. An einem absolut trockenen Standort – unter einem breiten Dachüberstand oder mit aktivem Regenschutz – funktioniert sie jedoch deutlich besser als ihr Ruf in Deutschland vermuten lässt.

Die Hapaxanthie – blühen und sterben

N. ritchiana ist hapaxant – der blühende Ast stirbt nach der Blüte ab. Das ist nicht das Ende der Pflanze weil sie durch ihre Verzweigung mehrere unabhängige Wachstumsäste hat. Wenn ein Ast blüht und abstirbt treiben die übrigen weiter. Das macht sie langlebig trotz dieser scheinbar tödlichen Eigenschaft.

In deutschen Gärten ist die Blüte wegen des langsamen Wachstums in unserem Klima selten zu erleben – aber nicht ausgeschlossen bei sehr guten Standortbedingungen.

Kultivierung in Deutschland

Als Kübelpflanze ist N. ritchiana deutlich einfacher zu handhaben als im Freiland. Im Sommer an den heißesten trockensten Platz, im Winter in ein kühles trockenes Winterquartier mit sehr wenig Wasser. Fast kein Gießen von November bis März.

Im Freiland nur an absoluten Trockenstandorten – unter einem breiten Dachüberstand, auf reinem Kies-Substrat, vollsonnig. Dann ist N. ritchiana erstaunlich robust und eine faszinierende Rarität für den Sammler der mehr als nur Trachycarpus kultiviert.

FAQ – Mazaripalme, Afghanen-Palme

Stimmt es dass N. ritchiana bis −20 °C aushält?
Ja – unter trockenen Bedingungen. In deutschen Nassekälte-Wintern ist das aber kaum die relevante Frage. Der Regenschutz ist wichtiger als der Frostschutz.
Was bedeutet hapaxant?
Der blühende Ast stirbt nach der Blüte ab. Bei verzweigenden Arten wie N. ritchiana ist das kein Problem weil andere Äste weiterleben. Bei einachsigen Palmen wie T. fortunei würde das den Tod der Pflanze bedeuten.
Wie unterscheidet sie sich von Brahea armata optisch?
N. ritchiana ist kleiner und buschiger, mit kleineren graugrünen Blättern. B. armata hat die spektakulär blaue Farbe. Beide sind Wüstenpalmen, aber N. ritchiana wirkt schlichter und kompakter.
Wo kann man N. ritchiana kaufen?
Nur im Spezialhandel für seltene Palmen und Sukkulenten, gelegentlich auf Sammlerbörsen. Samen sind manchmal bei Spezialhändlern erhältlich.