Wie Wurzelfäule entsteht
Wurzelfäule ist fast immer das Ergebnis von Sauerstoffmangel im Boden. Wenn Boden langanhaltend wassergesättigt ist verbrauchen Mikroorganismen den verfügbaren Sauerstoff und schaffen anaerobe Verhältnisse. In diesem sauerstoffarmen Milieu sterben Pflanzenwurzeln ab weil sie keine aerobe Energiegewinnung mehr betreiben können.
Gleichzeitig gedeihen Fäulnispilze der Gattungen Phytophthora, Pythium und Fusarium unter diesen Bedingungen besonders gut. Sie befallen das absterbens Wurzelgewebe und greifen von dort auf gesunde Wurzeln über. Die Fäulnis breitet sich aus und kann, wenn nicht gestoppt das gesamte Wurzelsystem erfassen.
Was das Tückische ist: am Anfang ist das Wurzelsystem noch partiell intakt und die Pflanze zeigt keine sichtbaren Symptome. Erst wenn 40 bis 60 Prozent der Wurzeln abgestorben sind beginnt die Pflanze oberirdisch zu reagieren – mit Welke, Vergilbung und nachlassendem Wachstum.
Frühe Zeichen die man nicht übersehen sollte
Das oberirdische Erscheinungsbild bei Wurzelfäule ähnelt Trockenstress, obwohl der Boden nass ist. Das ist das entscheidende Diagnosemerkmal: die Pflanze sieht aus als ob sie Durst hätte, der Boden ist aber feucht oder sogar nass. Wenn dieses Paradox auftritt sofort handeln.
Weitere frühe Zeichen:
- Hängende welke Blätter obwohl ausreichend gegossen wird
- Stockendes oder aufhörendes Wachstum in der Wachstumssaison
- Gelbliche Verfärbung aller Blätter gleichmäßig ohne klares Muster
- Fauliger muffiger Geruch aus dem Boden nach Regen
- Weiche braune Bereiche am unteren Stammansatz wo er den Boden berührt
Das erste sichtbare Symptom ist oft das das neue Blätter nicht mehr erscheinen oder ungewöhnlich klein und schwach herauskommen. Die Wachstumsspitze merkt als erstes das die Versorgung nicht mehr ausreicht.
Diagnose im Boden
Um Wurzelfäule zu bestätigen muss man in den Boden schauen. Vorsichtig 20 bis 30 cm vom Stamm entfernt graben und einige Wurzeln freilegen. Gesunde Wurzeln sind weiß bis cremefarben, fest und leicht gummiartig. Durch Fäulnis geschädigte Wurzeln sind braun bis schwarz, weich bis matschig und riechen deutlich faulig.
Den Schädigungsgrad einschätzen: weniger als 30 Prozent der Wurzeln betroffen – gute Heilungschancen. 30 bis 60 Prozent – Behandlung möglich aber Prognose unsicher. Über 60 Prozent – schlechte Prognose, Rettungsversuch möglich aber riskant.
Behandlung Schritt für Schritt
- Gießen sofort stoppen
- Pflanze vorsichtig ausgraben ohne den Wurzelballen zu beschädigen
- Alle braunen und schwarzen Wurzeln bis ins gesunde weiße Gewebe zurückschneiden
- Schnittstellen mit einem systemischen Fungizid gegen Phytophthora behandeln (z.B. Fosetyl-Aluminium)
- Die Pflanze für einige Stunden an der Luft trocknen lassen bevor sie wieder eingepflanzt wird
- Neuen Standort oder neues Substrat mit deutlich besserer Drainage verwenden
- Konservativ gießen in den ersten vier bis sechs Wochen nach dem Einpflanzen
Nach der Behandlung die Pflanze im Auge behalten. Wenn neue Blätter erscheinen und die Verfärbung nachlässt war die Behandlung erfolgreich. Wenn die Pflanze weiter leidet waren zu viele Wurzeln bereits zu stark beschädigt.
Prognose realistisch einschätzen
Ich sage das direkt weil viele Gärtner zu lange hoffen: wenn die gesamte Pflanze welk hängt, keine neuen Blätter zeigt und beim Ausgraben mehr als zwei Drittel der Wurzeln schwarz und matschig sind ist die Prognose sehr schlecht. Der Rettungsversuch lohnt sich nur wenn noch deutlich gesundes weißes Wurzelgewebe vorhanden ist.
Eine Pflanze die ihren Wachstumszyklus trotz Behandlung zwei Saisons lang nicht wieder aufnimmt ist wahrscheinlich so stark geschwächt das das keine echte Erholung mehr möglich ist. Dann ist der saubere Abschluss besser als jahrelanges Pflegen ohne Fortschritt.
Vorbeugung ist immer besser als Behandlung
Staunässe verhindern ist die einzige wirklich wirksame Vorbeugung gegen Wurzelfäule. Gute Drainage beim Einpflanzen, Standorte ohne Wasseransammlungen, kein Überwässern. Ein gut drainierter Standort schützt besser als jedes Fungizid das man nach dem Schadensfall anwenden kann.
Wer in einem problematischen Bodensituation pflanzen muss: Hochpflanzung auf einem erhöhten Substratbett oder Kübelhaltung sind die sichersten Alternativen. Details zur Bodenverbesserung im Artikel Palmen in Lehmboden.
Dr. Klaus Brinkmann
Dr. Klaus Brinkmann studierte Botanik an der Universität Bonn und kultiviert seit 1991 winterharte Gehölze in der Rheinebene. Er berät Privatgärtner bei der Diagnose und Behandlung von Pflanzenproblemen.