Warum Lehmboden für Palmen ein Problem ist
Auf meinem Freilandfeld bei Bonn habe ich einen Teil mit lehmigem Untergrund. Die ersten Palmen die ich dort pflanzte haben nicht gut entwickelt obwohl Standort und Pflege stimmten. Der Grund: Lehmboden hält zu viel Feuchtigkeit und trocknet zu langsam. Für Palmen die aus gut drainierten Bergböden stammen ist das ein chronischer Stress.
Staunässe in winterkaltem Boden ist der größte Risikofaktor. Nasse Erde gefriert tiefer als trockene und dehnt sich beim Gefrieren aus was Wurzeln mechanisch schädigt. Im Sommer fördert permanente Bodenfeuchte Wurzelpilze. Das Ergebnis ist eine dauerhaft geschwächte Pflanze die schlechter wächst und anfälliger für Frost ist.
Die gute Nachricht: Lehmboden ist ein lösbares Problem. Mit den richtigen Maßnahmen können Palmen auch in schweren Böden sehr gut gedeihen.
Drainage gezielt verbessern
Der effektivste Test: nach einem kräftigen Regen beobachten. Wenn nach zwei Stunden noch Wasser steht ist der Boden für Palmen ohne Aufbesserung ungeeignet. Bei hartem Untergrund (Staunässehorizont) kann sogar nach tagelangen Regen Wasser stehen bleiben.
Lösungsansatz 1 – Pflanzgrube mit Drainageschicht: Die Pflanzgrube 40 bis 50 cm tiefer ausheben als nötig und den Boden mit 20 cm Kies (Korngröße 16 bis 32 mm) füllen. Dann das aufgebesserte Substrat einfüllen und die Pflanze setzen. Der Kies wirkt als Drainagepolster das überschüssiges Wasser aufnimmt und langsam abgibt.
Lösungsansatz 2 – Hochpflanzung: Die Palme auf einem leicht erhöhten Hügel (20 bis 30 cm über Umgebungsniveau) pflanzen. Überschüssiges Wasser fließt seitlich ab. Sieht bei richtiger Umsetzung natürlich aus und ist äußerst effektiv.
Lösungsansatz 3 – Boden aufbessern: 30 bis 40 Prozent Kies oder Perlite in den ausgehobenen Boden einarbeiten. Verändert die Bodenstruktur grundlegend. Am aufwändigsten aber am nachhaltigsten für das gesamte Beet.
Das richtige Substrat-Mischverhältnis
Für Lehmböden habe ich auf meinem Feld die beste Mischung über Jahre entwickelt:
- 40 Prozent ausgehobene Lehmerde (gebrochen und gelockert)
- 30 Prozent Kies (Körnung 8 bis 16 mm)
- 20 Prozent Perlite
- 10 Prozent grobfasriger Kompost
Diese Mischung ist gut durchlüftet, hält aber genug Nährstoffe und trocknet nicht zu schnell aus. Der Kompostanteil fördert nützliche Bodenorganismen die die Bodenstruktur langfristig verbessern.
Auf keinen Fall normales Torf-Substrat aus dem Baumarkt hinzumischen. Torf verdichtet sich mit der Zeit stark und verschlechtert die Drainage statt sie zu verbessern.
Richtig einpflanzen in Lehmboden
Beim Einpflanzen auf drei Dinge besonders achten:
- Die Pflanzgrube mindestens doppelt so breit wie der Wurzelballen ausheben damit auch seitlich lockeres Substrat vorhanden ist
- Den Pflanzball nicht tiefer setzen als er im Topf stand – den Übergang von Stamm zu Wurzeln immer über dem Bodenniveau lassen
- Nach dem Einpflanzen einen kleinen Gießrand aus etwas aufgehäufter Erde anlegen damit das erste Wässern direkt zum Wurzelballen gelangt
Direkt nach dem Einpflanzen gründlich wässern damit sich das Substrat setzt. Dann eine 15 cm dicke Mulchschicht auftragen die Feuchtigkeit reguliert und im Winter isoliert. Details zum Einpflanzen im Freilandpflanzungs-Ratgeber.
Langzeitpflege in lehmigen Böden
Palmen die in aufgebesserten Lehmböden stehen entwickeln oft ein breiteres flacheres Wurzelsystem als in sandigen Böden weil die Wurzeln den lockeren Bereich des Pflanzlochs nicht verlassen wollen. Das ist normal und kein Problem solange das Pflanzloch groß genug angelegt wurde.
Nach zwei bis drei Jahren die Mulchschicht erneuern und gegebenenfalls mit etwas Kies aufbessern wenn Erosion den Boden um den Stamm herum dichter gemacht hat. Einmal jährlich prüfen ob der Stammansatz noch über dem Bodenniveau sitzt.
Der Pflege-Ratgeber gibt den kompletten Jahrespflegeplan. In Lehmböden braucht man oft weniger düngen als in Sandböden weil Lehm Nährstoffe besser bindet.
Oliver Misch
Oliver Misch züchtet seit 2010 winterharte Palmen auf einem Freilandfeld in der Nähe von Bonn. Was als Hobby begann ist heute eine umfangreiche Sammlung mit über 40 Arten und Selektionen. Er betreibt winterhartepalmen.de und teilt seine praktischen Erfahrungen aus dem Anbau.