Die Grundregel: so tief wie im Topf – nicht tiefer
Die Antwort auf die Frage "wie tief pflanzt man eine Palme" ist eigentlich einfach: so tief wie sie vorher im Topf stand. Die Substratoberfläche des Wurzelballens soll exakt auf dem Niveau des umgebenden Bodens liegen oder maximal 2 bis 3 cm tiefer. Das war's.
Warum das in der Praxis so oft falsch gemacht wird: weil Pflanzlöcher tiefer sind als nötig, weil das Substrat nach dem Pflanzen einsinkt und weil manche Gärtner intuitiv denken dass tiefer pflanzen stabiler ist. Keiner dieser Gründe rechtfertigt tieferes Pflanzen und alle drei sind mit einfachen Mitteln zu vermeiden.
Noch besser als "so tief wie im Topf": den Stamm leicht erhöht pflanzen sodass die Substratoberfläche des Ballens 2 bis 3 cm über dem Bodenniveau liegt. Das verhindert dass sich Wasser um den Stammansatz sammelt und gibt Spielraum für das unvermeidliche Einsinken des Substrats in den ersten Monaten.
Warum zu tiefes Pflanzen so problematisch ist
Zu tiefes Pflanzen schädigt Palmen auf mehreren Wegen gleichzeitig. Erstens wird der Stammansatz das ist der Übergang zwischen Stamm und Wurzeln dauerhaft in feuchtem Substrat gehalten. Dieser Bereich ist besonders empfindlich für Fäulnis und sollte trocken und luftig sein.
Zweitens unterdrückt zu tiefes Pflanzen den Gasaustausch an den oberen Wurzeln. Wurzeln brauchen Sauerstoff. In zu tiefem Substrat bekommen die obersten Wurzeln nicht genug davon was ihr Wachstum und ihre Aufnahmekapazität hemmt.
Drittens fördert es die Bildung von Adventivwurzeln am vergrabenen Stamm die aber weniger funktional sind als das ursprüngliche Wurzelsystem. Die Pflanze investiert Energie in diese zusätzlichen Wurzeln statt in Wachstum.
Das Ergebnis von zu tiefem Pflanzen zeigt sich oft nicht sofort sondern nach einem oder zwei Jahren: die Pflanze wächst kaum, wirkt stagnierend, zeigt gelegentlich Fäulnis am Stammansatz und lässt sich in keiner Weise durch bessere Pflege verbessern weil das Problem unterirdisch sitzt.
Die Pflanztiefe richtig kontrollieren
Einfache und zuverlässige Methode: eine gerade Latte oder einen Besenstiel quer über die Pflanzgrube legen. Die Substratoberfläche des Wurzelballens soll diese Linie entweder genau berühren oder leicht darüber sein. Wenn der Ballen unter der Latte liegt ist das Loch zu tief.
Vor dem Einsetzen der Pflanze Substrat am Grubenboden aufhäufen bis die Höhe stimmt. Nach dem Einsetzen von der Seite kontrollieren. Nicht erst nach dem Auffüllen kontrollieren weil dann das Korrigieren schwierig ist.
Berücksichtigen dass Substrat einsinkt: frisch eingebrachtes Pflanzsubstrat setzt sich in den ersten Wochen um 5 bis 10 Prozent. Bei einem 40 cm tiefen Ballen sinkt die Pflanze also um 2 bis 4 cm. Das im Voraus kompensieren durch entsprechend höheres Setzen.
Was tun wenn die Pflanze schon zu tief gepflanzt ist
Wenn eine Pflanze nachweislich zu tief gepflanzt wurde und noch keine starken Schäden zeigt: so früh wie möglich umsetzen, idealerweise im Frühling. Den Ballen so vollständig wie möglich ausheben und höher neu einsetzen.
Alternativ bei kleinen Korrekturen von 5 bis 10 cm: Substrat von allen Seiten wegschieben sodass der Stammansatz freilegt wird, dann mit lockerem Kies oder grobem Substrat die Fläche um den Stamm herum erhöhen ohne den Stamm selbst zu bedecken. Das ist eine Notlösung aber manchmal besser als komplettes Umpflanzen einer bereits eingewurzelten Pflanze.
Ausnahmen von der Pflanztiefe-Regel
Es gibt eine wichtige Ausnahme: sehr sandige Böden mit schlechtem Halt. Hier kann es sinnvoll sein den Ballen minimal tiefer zu setzen – aber nur um maximal 5 cm und nur für stabilitätsgründe, nicht wegen irgendwelcher Wachstumsvorteile.
Auch Kübelpflanzen die von einem kleineren in einen größeren Kübel umgepflanzt werden: hier bleibt die Grundregel dieselbe – Substratoberfläche auf gleichem Niveau wie vorher. Nicht tiefer setzen weil der neue Kübel mehr Platz hat.
Mehr zur Auspflanzung insgesamt im Auspflanz-Ratgeber und im Artikel Palmen richtig einpflanzen.
Dr. Klaus Brinkmann
Dr. Klaus Brinkmann studierte Botanik an der Universität Bonn und kultiviert seit 1991 winterharte Gehölze in der Rheinebene. In seinem Garten stehen über 60 Palmen verschiedener Arten an unterschiedlichen Standorten, was ihm einen einzigartigen Vergleichsblick gibt.