Wieviel Wärme bringt ein Heizkabel wirklich?
Diese Frage wird häufig zu optimistisch beantwortet. Ein Heizkabel oder eine Lichterkette am Stamm erzeugt direkt am Kabel Wärme. Diese Wärme breitet sich aber nicht gleichmäßig in die Umgebung aus sondern geht überwiegend durch Konvektion nach oben verloren. Der messbare Temperaturgewinn in 20 cm Entfernung vom Kabel bei −10 °C Außentemperatur liegt bei etwa 1 bis 3 °C, nicht mehr.
Das klingt wenig ist aber in bestimmten Situationen trotzdem entscheidend. Wenn eine Pflanze an einer grenzwertigen Temperaturgrenze ist – sagen wir −14 °C Außentemperatur bei einer Pflanze die bis −15 °C gilt – können 2 °C Mehrwärme direkt am Stamm den Unterschied machen. Als Hauptschutzmaßnahme ist es zu wenig. Als Ergänzung zu Vlies und Herzschutz kann es in Extremsituationen das Zünglein an der Waage sein.
Lichterketten als günstige Alternative
Die echte Entdeckung meiner Palmenjahre war dass günstige Outdoor-Lichterketten vom letzten Weihnachten ähnlich wirksam sind wie speziell vermarktete Palmenheizkabel aber einen Bruchteil kosten. Eine klassische Lichterkette mit 100 kleinen Glühbirnen erzeugt durch die Eigenerwärmung der Birnen an jedem Kontaktpunkt etwas Wärme.
Wichtig: nur für den Außenbereich geeignete Lichterketten verwenden. Innen-Lichterketten sind nicht wetterfest. LED-Lichterketten erzeugen kaum Wärme – dafür braucht man die alten Glühbirnen-Typen. Die locker um den Stamm und ins Innere des Blattkranzes wickeln, mit Vlies darüber halten. Die Kombination aus Vlies-Isolation und Lichterkettenwärme schafft ein kleines wärmeres Mikroklima direkt am Stamm.
Nie Innen-Lichterketten draußen! Das ist eine Brandgefahr. Ausschließlich für Außenbetrieb geeignete IP44-Kabel verwenden. Bei Regen oder Schnee immer auf die Schutzklasse achten.
Wann lohnt sich der Einsatz?
Sinnvoll sind Heizkabel und Lichterketten in drei Situationen: erstens bei Pflanzen die an klimatischen Grenzen stehen, also Zone 6-Lagen oder weniger frostharte Arten in Zone 7a. Zweitens als temporäre Verstärkung bei angekündigten Extremereignissen unter −15 °C. Drittens bei besonders wertvollen oder seltenen Pflanzen die man nicht riskieren will.
Nicht sinnvoll als Ersatz für einen guten Standort oder als Ausrede um auf Herzschutz zu verzichten. Wer eine Palme an einem schlechten Nordlage-Standort hat und hofft das durch Heizkabel zu kompensieren wird enttäuscht.
Sicherheit geht vor
Alle Elektrik im Außenbereich muss für diesen Zweck geeignet sein. IP44 Mindestschutzklasse für Außenbetrieb bei Feuchtigkeit. Kabel prüfen auf Beschädigungen bevor sie eingesetzt werden. Verlängerungskabel müssen ebenfalls für Außenbetrieb geeignet sein. Im Zweifel einen Elektriker fragen.
Aus der Praxis: meine Erfahrung
Ich nutze seit Jahren eine alte Glühbirnen-Lichterkette bei angekündigten Extremereignissen unter −13 °C für eine meiner Pflanzen die an einem etwas weniger idealen Standort steht. In normalen Wintern kommt sie nicht zum Einsatz. In den drei Wintern seit ich sie einsetze hat die Pflanze keine Herzschäden gehabt – vorher hatte sie gelegentlich leichte Herzprobleme nach besonders kalten Nächten. Ob es wirklich die Lichterkette war oder andere Faktoren lässt sich nicht sagen. Aber ich lasse sie dran.
Oliver Misch
Oliver Misch betreibt winterhartepalmen.de und kultiviert seit über 15 Jahren winterharte Palmen im Rheinland. Seine Artikel entstehen aus eigener Erfahrung und dem direkten Austausch mit der Sammlergemeinschaft.