Was Wind mit Palmen wirklich macht
Wind schadet Palmen auf mindestens drei verschiedene Arten und jede davon ist ernstzunehmen. Erstens der mechanische Schaden durch den die Blätter reißen, Blattstiele brechen und die Pflanze aus ihrer optimalen Haltung gezwungen wird. Zweitens der Verdunstungsschaden durch den die Blätter austrocknen bevor die Wurzeln nachliefern können. Drittens der Kälte-Schaden durch den Windchill-Effekt der die gefühlte Temperatur am Pflanzengewebe um mehrere Grad unter die Lufttemperatur senkt.
Besonders im Winter wenn die Kombination aus Frost und Wind auftritt ist der Effekt am stärksten. Eine Nacht mit −10 °C und starkem Wind belastet eine Palme ähnlich stark wie eine ruhige Nacht mit −14 °C. Das ist kein Klischee sondern ein gut belegtes physiologisches Phänomen.
Im Sommer sind es vor allem trockene heiße Winde die schaden. Föhn und östliche Winde können auch an sich robusten Pflanzen innerhalb weniger Tage sichtbare Verdunstungsschäden verursachen.
Der Windchill-Faktor im Winter
Der Windchill-Effekt ist beim Winterschutz von Palmen direkt relevant. Bei einer Lufttemperatur von −8 °C und einem Wind von 30 km/h entspricht die gefühlte Temperatur am Pflanzengewebe etwa −15 °C. Das erklärt warum Palmen an exponierten windigen Standorten deutlich mehr Winterschutz brauchen als solche in windstillen Lagen mit denselben Temperaturen.
In Deutschland kommt der Winterwind hauptsächlich aus West bis Nordwest. Ein Windschutz aus dieser Richtung bringt deshalb am meisten. Eine Mauer, eine dichte Hecke oder ein Gebäude im Rücken reduziert den Windchill-Effekt erheblich und verschiebt die effektive Frosthärte der Pflanze merkbar nach unten.
Verdunstungsschäden im Sommer und Winter
Palmenblätter haben eine große Oberfläche die im Wind Wasser verdunstet. Bei Windstille ist die Verdunstung moderat und die Wurzeln können nachliefern. Bei starkem Wind übersteigt die Verdunstungsrate die Aufnahmekapazität der Wurzeln – besonders in trockenen Perioden und im Winter wenn der Boden kalt oder gefroren ist.
Die Symptome: Blattspitzen werden braun, Blattränder trocknen aus, Blätter hängen trotz ausreichender Bodenfeuchtigkeit. Das klassische Bild von Windschäden unterscheidet sich von reinen Trockenstress-Symptomen darin dass die windabgewandte Seite der Pflanze weniger betroffen ist als die windexponierte.
Windschutz im Garten schaffen
Hauswand oder Mauer: Die zuverlässigste Windschutzlösung. Eine gemauerte Südwand schützt vor Nordwind, reflektiert Wärme und schafft ein deutlich günstigeres Mikroklima als die offene Fläche.
Hecken: Lebendige Windschutzhecken aus dichten Arten wie Hainbuche, Thuja oder Berberitze sind effektiver als Mauern weil sie Wind bremsen statt ablenken. Ein abrupter Mauerschatten kann auf der Leeseite Verwirbelungen erzeugen die manchmal schädlicher sind als der direkte Wind. Hecken reduzieren die Windgeschwindigkeit über ihre gesamte Höhe und noch auf der zehnfachen Entfernung dahinter.
Andere Gehölze: Bestehende Bäume und Sträucher als natürliche Windbrecher nutzen. Dabei Abstand halten damit die Wurzelkonkurrenz nicht zum Problem wird.
Bambus: Als flexibler Windbrecher ausgezeichnet. Die dichten Halme bremsen Wind, stehen selbst biegefähig im Wind und bilden schnell eine effektive Schutzzone.
Arten die besser mit Wind umgehen
T. wagnerianus ist die windresistenteste der gängigen Hanfpalmen. Die kleineren, steiferen und zäheren Blätter trotzen Wind erheblich besser als die großen Blätter der T. fortunei. Für Gärten in windigen Lagen – Nordseeküste, Hochlagen, exponierte Hanglagen – ist T. wagnerianus die klare erste Wahl vor T. fortunei.
Sabal minor ist ebenfalls windresistent. Die kompakten Fächerblätter bieten wenig Angriffsfläche für Wind.
T. fortunei leidet an sehr windigen Standorten mehr, kann aber durch gezielten Windschutz dennoch erfolgreich kultiviert werden. Die Kombination aus guter Artenwahl und gutem Windschutz ist immer besser als eine windresistente Art an einem kompromittierten Standort.
Dr. Klaus Brinkmann
Dr. Klaus Brinkmann studierte Botanik an der Universität Bonn und kultiviert seit 1991 winterharte Gehölze in der Rheinebene. In seinem Garten stehen über 60 Palmen verschiedener Arten an unterschiedlichen Standorten, was ihm einen einzigartigen Vergleichsblick gibt.