Zwei Arten, zwei verschiedene Härtegrade
Bei Washingtonias gibt es zwei Hauptarten die man auseinanderhalten muss. Washingtonia robusta ist die schlanke, hochwüchsige Art die man an Mittelmeerpromenaden und in Südkalifornien in Massen sieht. Sie ist weniger frosthart und eigentlich eine reine Subtropenpflanze.
Washingtonia filifera aus dem Colorado Desert ist deutlich frosttoleranter. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Südkalifornien und Arizona kommen Nachtfröste unter −10 °C gelegentlich vor. Für deutsche Verhältnisse ist aber auch das zu wenig.
Die echte Frosthärte – ehrlich betrachtet
Washingtonia filifera gilt als frosthart bis etwa −10 bis −12 °C unter optimalen Bedingungen. Das klingt erst nicht schlecht bis man es mit T. fortunei (−18 °C) vergleicht. Im Freiland sind −10 °C in kaum einer deutschen Region eine verlässliche Obergrenze für Wintertemperaturen. Selbst in milden Lagen wie dem Rheinland oder Hamburg kommen Nächte unter −10 °C in vielen Wintern vor.
Washingtonia robusta ist noch empfindlicher und hält kaum mehr als −5 bis −7 °C aus. Im Freiland in Deutschland ist das ausschließlich in den allerwärmsten Lagen am Bodensee oder vielleicht an sehr geschützten Stellen im Rheinland mit intensivem Winterschutz überhaupt denkbar – und selbst da ist es ein Experiment mit schlechten Karten.
Ich habe während meiner Tropenreisen Washingtonias in ihren natürlichen Lebensräumen gesehen. Das sind Oasenpalmen die Hitze und Trockenheit lieben. Mitteleuropäische feuchte mäßige Sommer sind für sie suboptimal, selbst wenn der Winter milde wäre.
In Deutschland realistisch?
Im Freiland: nur in der Bodenseeregion und in allerwärmsten, bestgeschützten Stadtlagen mit intensivem Winterschutz. Das Schimmelrisiko durch feuchte deutsche Sommer und Herbste kommt zur Frostproblematik hinzu. Selbst in Zone 8a wäre ich vorsichtig und würde T. fortunei klar bevorzugen.
Eine Washingtonia im deutschen Freiland anzupflanzen ist kein totales Ding der Unmöglichkeit aber ein Experiment für Enthusiasten die bereit sind regelmäßig zu verlieren. Es ist kein Projekt für Gärtner die eine verlässliche, langlebige Pflanze suchen.
Als Kübelpflanze: die realistische Option
Als Kübelpflanze mit Einräumen im Winter ist Washingtonia bundesweit kultivierbar. Im Sommer auf der Terrasse macht sie optisch viel her, wächst schnell und bildet schon als Jungpflanze die charakteristischen langen Blattstiele. Im Winter bei 5 bis 10 °C ins Winterquartier stellen.
Das Problem ist das schnelle Wachstum: nach fünf bis sieben Jahren hat eine Washingtonie Dimensionen die im Wohnzimmer oder einer normalen Garage nicht mehr handhabbar sind. Ohne ein entsprechendes Winterquartier ist das ein Problem das sich ankündigt.
Bessere Alternativen für den deutschen Garten
Wer den Washingtonia-Look sucht – hohe schlanke Palme mit Schopf – ist mit T. fortunei langfristig viel besser bedient. Sie wächst in Deutschland im Freiland, wird mit der Zeit genauso eindrucksvoll und überlebt normale deutsche Winter problemlos. Für kompaktere Optionen bieten sich T. wagnerianus und T. nanus an. Alle deutlich frosthareter und Deutschland-tauglicher als jede Washingtonia.
Prof. Dr. Rainer Brodesser
Prof. Dr. Rainer Brodesser bereiste während seiner aktiven Zeit dutzende Länder und interessierte sich für seltene Pflanzenarten. Im Ruhestand widmet er sich in Brandenburg seiner privaten Hobbyzucht und schreibt gelegentlich über seine Erfahrungen.