Besondere Anforderungen am Pool
Ein Pool stellt andere Anforderungen an Pflanzen als ein normaler Gartenbereiche. Das Wasser verdunstet und erhöht die Luftfeuchtigkeit direkt am Pool – gut für viele Pflanzen, für manche Palmen eher neutral. Chlor aus dem Poolwasser kann bei direktem Kontakt Blattschäden verursachen, also kein Spritzwasser auf die Blätter. Und dann ist da das praktische Problem: alte Blätter die in den Pool fallen verstopfen Filter und machen mehr Arbeit.
Der ideale Pool-Palme ist also: winterhart, nicht zu schnell wachsend, mit möglichst wenig Blattwurf, und standfest gegenüber dem feuchten Poolumfeld. Das schränkt die Auswahl etwas ein aber lässt immer noch gute Optionen.
Geeignete Arten für die Poolumgebung
T. wagnerianus ist meine erste Empfehlung für den Pool. Die kleineren, dichteren Blätter werfen weniger Blattsegmente in den Pool als die großblättrige T. fortunei. Der Stamm ist kompakter und standfester. Windresistenz ist ein Vorteil wenn der Pool in einer exponierten Lage liegt.
T. fortunei funktioniert ebenfalls gut, erzeugt aber durch die größeren Blätter mehr Blattwurf. Wer einen guten Poolfilter hat und den Blattwurf toleriert kommt prima zurecht. Optisch ist die Wirkung am Pool wegen der größeren Blätter sogar eindrucksvoller als der Wagnerianus.
Chamaerops humilis ist in Zone 8 ideal am Pool. Der buschige mehrstämmige Wuchs sieht sehr mediterran aus, der Blattwurf ist überschaubar und die Pflanze wächst langsam genug um lange handhabbar zu bleiben.
Was man lieber nicht nimmt: Arten mit sehr großen Blättern, hohem Blattwurf oder invasivem Wurzelsystem. Palmen haben generell kein aggressives Wurzelsystem also ist das letzte Punkt bei Palmen weniger kritisch als bei manchen anderen Bäumen.
Abstand zum Pool
Mindestabstand von 2 bis 3 Metern vom Poolrand ist empfehlenswert. Näher dran sieht zwar eindrucksvoller aus aber das Chlorwasser das beim Schwimmen spritzt kann bei regelmäßigem Kontakt Blattschäden verursachen. Dazu kommt dass Pflanzen direkt am Poolrand mechanisch gefährdet sind durch Poolreinigung und Umgebungsarbeiten.
In 2 bis 3 Metern Abstand steht die Palme optisch trotzdem klar im Pool-Kontext, ist gut sichtbar wenn man im Pool liegt und bleibt von mechanischen Einwirkungen und direktem Chlorkontakt verschont.
Das Blattwurf-Problem realistisch einschätzen
Alle Palmen werfen irgendwann Blätter ab – das ist normal. Die Frage ist wie oft und wie groß die Blätter sind. T. fortunei wirft etwa 5 bis 15 alte Blätter pro Jahr ab. Das klingt wenig ist aber pro Blatt ein ordentliches Stück Pflanzenmaterial das in den Pool fallen kann.
Praktische Lösung: regelmäßig kontrollieren und alte Blätter die sich ablösen vor dem Abfallen abschneiden. Wer seinen Garten ohnehin regelmäßig pflegt hat damit kaum Mehraufwand. Wer einen Garten will der sich selbst überlässt ist am Pool mit Palmen etwas mehr gefordert.
Kübelpflanzen am Pool: die flexible Lösung
Wer seinen Pool umbaut oder umgestaltet oder wer in Zone 7a oder kälter lebt wo Freilandpalmen mehr Pflegeaufwand bedeuten sollte Kübelpflanzen am Pool in Betracht ziehen. Kübel können im Winter von der Poolumgebung weggerückt werden, erlauben Flexibilität bei der Gestaltung und haben keinerlei Wurzelkontakt mit der Poolabdichtung.
T. wagnerianus in einem schönen Kübel, auf beiden Seiten des Pools ein Exemplar – das ist eine einfache, pflegbare und optisch überzeugende Lösung für jeden deutschen Garten mit Pool, unabhängig von der Klimazone.
Oliver Misch
Oliver Misch betreibt winterhartepalmen.de und kultiviert seit über 15 Jahren winterharte Palmen im Rheinland. Seine Artikel entstehen aus eigener Erfahrung und dem Austausch mit der Sammlergemeinschaft.