Was Hanfpalmen wirklich brauchen
Als Botaniker bin ich immer skeptisch gegenüber spezifischen "Spezial-Düngern" für einzelne Pflanzenarten. Die meisten Pflanzen brauchen dieselben Nährstoffe – was variiert ist die Gewichtung und die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Mängeln. Bei Palmen ist das nicht anders.
Palmen haben drei besondere Eigenschaften die die Düngung beeinflussen. Erstens sind sie besonders empfindlich gegenüber Magnesiummangel weil sie viel Magnesium in den Blattfasern binden. Zweitens benötigen sie Mangan für die Bildung neuer Blätter direkt am Meristem. Drittens reagieren sie empfindlich auf Salzschäden durch Überdüngung. Das bedeutet: alle Nährstoffe mit Maß, Spurenelemente nicht vernachlässigen.
NPK richtig verstehen
Die drei Hauptnährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) haben bei Palmen verschiedene Rollen und verschiedene saisonale Prioritäten.
Stickstoff (N) fördert Wachstum und grüne Blattfarbe. Im Frühjahr und Frühherbst wichtig. Im Herbst kontraproduktiv weil er weiches frostanfälliges Gewebe produziert.
Phosphor (P) für Wurzelentwicklung. Besonders relevant im ersten Jahr nach der Pflanzung. Etablierte Palmen brauchen wenig davon.
Kalium (K) stärkt Zellwände, fördert Wasserregulation und erhöht Frosttoleranz. Im Herbst der wichtigste Nährstoff. Ein K-betonter Herbstdünger ist eine der sinnvollsten Investitionen für Palmengärtner.
Ein gutes NPK-Verhältnis für Palmen im Sommer: 3-1-3 oder ähnlich ausgewogen. Im Herbst: 1-0-3 oder noch K-betonter.
Warum Spurenelemente entscheidend sind
Viele Düngerfehler bei Palmen entstehen nicht wegen zu wenig Hauptnährstoffen sondern wegen fehlender Spurenelemente. Ich sehe regelmäßig Palmen die mit Standard-Gartendünger versorgt werden aber trotzdem Mangelerscheinungen zeigen.
Magnesium (Mg): Muss obligatorisch im Dünger enthalten sein. Magnesiummangel ist der häufigste Palmenmangel, erkennbar an den vergilbenden älteren Blättern mit grüner Mittelrippe. Wer keinen Mg-haltigen Dünger hat kann separat mit Magnesiumsulfat (Bittersalz) ergänzen.
Mangan (Mn): Kritisch für die Blattentwicklung. Manganmangel ("Frizzle Top") zeigt sich an deformierten neuen Blättern. Ein guter Palmdünger muss Mn enthalten.
Eisen (Fe): Bei zu hohem pH-Wert wird Eisen nicht aufgenommen was zu Eisenchlorose führt (neue Blätter werden gelb). Cheliertes Eisen bei Bedarf separat ergänzen.
Wann und wie düngen
Die einfachste Saison-Regel: April bis August monatlich mit einem vollständigen Palmdünger. September einmalig mit einem kaliumbetonten Herbstdünger. Oktober bis März: nicht düngen.
Für Kübelpflanzen eignen sich Langzeitdünger (Depot-Dünger) die beim Umtopfen im Frühjahr eingearbeitet werden und bis in den Spätsommer wirken. Praktisch und gleichmäßig. Für Freilandpflanzen funktionieren sowohl flüssige als auch granulierte Dünger.
Dosierung: immer unter der auf dem Etikett angegebenen maximalen Dosierung bleiben. Palmen reagieren empfindlicher auf Überdüngung als viele andere Pflanzen. Halbierte Dosierung öfter anwenden ist besser als volle Dosierung selten.
Die häufigsten Düngefehler
- Im September und Oktober noch mit Stickstoff düngen – produziert frostanfälliges Gewebe
- Nur NPK ohne Spurenelemente – führt über Zeit zu Mangelerscheinungen
- Zu viel auf einmal – Salzschäden an den Wurzeln
- Im Winter düngen – Wurzeln können nichts aufnehmen, Salze sammeln sich im Substrat
- Düngen bei trockener Erde – immer erst wässern dann düngen
Der ausführliche Jahrespflegeplan im Dünge- und Pflege-Ratgeber enthält alle Details für jeden Monat. Bei Mangelerscheinungen hilft die gezielte Diagnose im Artikel über gelbe Blätter.
Dr. Klaus Brinkmann
Dr. Klaus Brinkmann hat an der Universität Bonn Botanik studiert und beschäftigt sich seit 1991 mit der Kultivierung subtropischer Gehölze in Mitteleuropa. In seinem Garten in der Rheinebene wachsen über 60 Palmen, davon 23 Arten im Freiland.